An diesem Samstag kandidieren auch zwei unserer Mitglieder für einen Posten als Beisitzer*in im Vorstand der Grüne Jugend Hessen (GJH)​: Nele Siedenburg​ und Bruno Nemec​. Wer sind die engagierten Bewerber*innen und wofür stehen sie?

Nele Siedenburg, 18.

Was machst du schulisch/beruflich?

Derzeit mache ich mein Abitur an der Oranienschule in Wiesbaden. Ab Herbst möchte ich gerne Politikwissenschaften mit internationalem Schwerpunkt in Frankfurt am Main studieren.

 

Warum bist du bei der Grünen Jugend?

Weil ich mich verstärkt politisch engagieren möchte und die Ziele der Grünen sich mit meinen soziopolitischen Vorstellungen decken.

 

Warum bist du besonders geeignet für das Amt?

Durch meine Mitgliedschaft im Jugendparlament Wiesbaden, die Leitung eines Arbeitskreises und die offizielle Vetretung des JuPa im Stadtparlament habe ich politische Erfahrung in unterschiedlichen Gremien gesammelt. Selbstverständlich bin ich auch in der Schülervertretung meines Gymnasiums aktiv. Engagierte Diskussion waren mir schon immer wichtig, freie Rede kein Problem.

 

Was willst du für die GJH erreichen?

Eine offene, vielfältige und frauenfreundliche Gesellschaft! Zunächst jedoch im Kleinen: Stärkung der Soziokultur, höherer Stellenwert des politischen Engagements bei Jugendlichen und nicht zuletzt ein deutliches Zeichen gegen Populismus und menschenverachtende Verhaltensweisen.

 

Was machst du außerhalb der GJ Wiesbaden?

In meiner Freizeit (neben Schule und Mitwirkung im JuPa) spiele ich gerne Fußball. Ich hüte das Tor des MFFC Wiesbaden.

 

Mit welcher Persönlichkeit würdest du dich gerne mal unterhalten – und worüber?

Mit Barack Obama würde ich gerne über die aktuelle Lage in den USA und weltweit sprechen, vor allem, weil ich denke, dass er im Gespräch unter vier Augen offen seine Meinung, seine Vorstellungen künftiger Politik und die Probleme seiner Präsidentschaft ansprechen würde.

 

Bruno Nemec, 27

Was machst du schulisch/beruflich?

Studium des Maschinenbaus (Schwerpunkte: Konstruktion/Produktentwicklung und Energietechnik)

 

Warum bist du bei der Grünen Jugend?

Dafür gibt es zwei Gründe. Ich kam über mein Studium mit nachhaltiger Energietechnik in Berührung – und erfuhr schnell, welche Steine einem in den Weg gelegt werden. Denn egal wie effizient oder kostengünstig Windräder und Solaranlagen auch sind: es gibt immer Akteure in der Politik und der Gesellschaft, die alles versuchen, um den Bau solcher Anlagen zu verhindern. Mir wurde klar, dass ich über meinen Beruf alleine nur wenig bewirken kann. Der zweite Grund ist das Erstarken der Rechten. Ich komme aus Frankfurt und erlebte meine Heimat immer als bunt und offen. Pegida, ihre Ableger und die AfD kämpfen nicht nur dagegen, sondern befruchten sogar eine Atmosphäre der Gewalt. Ich hatte das Gefühl, dass es an der Zeit ist, (grüne) Farbe zu bekennen.

 

Warum bist du besonders geeignet für das Amt?

Auf den ersten Blick gibt es wohl eher etwas, das gegen mich spricht: die fehlende Erfahrung. Ich bin erst seit einem knappen Jahr in der Grünen Jugend und habe nie im Bereich der Politik gearbeitet. Doch ich denke, dass genau das meine große Stärke ist. Ich bringe einen unverbrauchten Blick auf den politischen Betrieb mit, der es mir erlaubt, auch unkonventionelle Ideen zu entwickeln. Ich scheue mich auch nicht davor, Verantwortung zu übernehmen und dafür Zeit und Arbeit zu investieren. Obwohl ich bis dahin keine Ahnung von Vorstandsarbeit hatte, kandidierte ich kurz nach meinem Eintritt als Sprecher des neugegründeten KV Wiesbaden. Heute, ein halbes Jahr später, spricht der Erfolg für uns: die Zahl der aktiven Mitglieder ist auf das dreifache angewachsen. Der Kreisverband bildet ein tolles Team, das mehrere Projekte plant. Inzwischen sind wir wieder fest in der lokalen Jugendpolitik verankert. Diese Energie kann und möchte ich nun in die GJH weitertragen.

 

Was willst du für die GJH erreichen?

Ich möchte, dass die GJH eine Impulsgeberin in der politischen Landschaft Hessens ist. Wir haben viele gute Ideen und Lösungen und sollten uns nicht scheuen, mit diesen auch Debatten anzustoßen. Die Notwendigkeit ergibt sich meiner Ansicht vor allem dadurch, dass es unsere Mutterpartei etwas zu viel Wert auf eine geräuschlose Regierungsarbeit legt. Dabei ist es meiner Ansicht nach sehr wichtig, dass gerade die Grünen wieder Themen setzen. Wir sind die überzeugendsten Gegner der Rechtspopulisten und dürfen ihnen daher nicht das Feld überlassen. Es liegt an uns, das Ruder herumzureißen und aktiv zu werden, statt nur auf immer neue Provokationen zu reagieren.

 

Ein Beispiel für eine konstruktive Initiative ist das Konzept des Bündnis Schulsanierung, welches wir in Wiesbaden erfolgreich ins Leben gerufen haben. Dieses möchte ich auf die Landesebene übertragen. Ziel soll es sein, gemeinsam mit der Landesschülervertretung, dem Landeselternbeirat, der GEW Hessen sowie weiteren interessierten Partnern eine starke Lobby in Bildungsfragen zu etablieren. Sie soll den öffentlichen Druck auf die Politik, der bisher nur punktuell auftritt, in konstante Bahnen lenken und gemeinsame Aktionen der einzelnen Interessenvertretungen koordinieren. Solche Kooperationen können aber nur dann erfolgreich sein, wenn auch die Kreisverbände mitziehen. Ich möchte die Kreisverbände dazu motivieren, solche Kooperationen auch auf lokaler Ebene anzustreben.

 

Ein weiteres Anliegen ist für mich die Wiederbelebung der Arbeitskreise. Sie sind das programmatische Herz der GJH. Ich möchte dafür werben, sich verstärkt in den Arbeitskreisen einzusetzen. Das wohl größte Hindernis sind wohl die Distanzen, die manche Mitglieder für gemeinsame Sitzungen zurücklegen müssen. Ich möchte mit den Arbeitskreisen daher auch neue Ideen entwickeln, die eine Mitwirkung auch zwischen weit verstreuten Mitgliedern ermöglichen.

 

Mir ist darüber hinaus die Energie- und Umweltpolitik in Hessen wichtig. Ja, es ist sehr wichtig, dass wir uns für die Rechte aller Menschen stark machen. Es ist notwendig, dass wir uns für jene einsetzen, die hier Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen. Und angesichts der Regierungsbeteiligung der Grünen scheinen wir energiepolitisch endlich dort angekommen zu sein, wo wir hinwollten. Doch in Wahrheit war das erst der Anfang. So schön der massive Ausbau der Erneuerbaren in Hessen ist, so bedenklich ist auch der Widerstand durch Bürgerinitiativen wie „Rettet den Taunuskamm“. Diese scheuen sich nicht davor, auch auf Desinformationskampagnen zu setzen, um Windparks zu verhindern. Wir müssen in der Gesellschaft wieder lauter werden und gerade dorthin gehen, wo die Gegner der Energiewende agitieren.

 

Was machst du außerhalb der GJ Wiesbaden?

Wenn es die Zeit zulässt blogge, fotografiere und koche ich auch sehr gerne und treibe Sport so oft es geht.

 

Mit welcher Persönlichkeit würdest du dich gerne mal unterhalten – und worüber?

Eindeutig mit Elon Musk! Warum? Weil er konsequent das umsetzt, wovon er überzeugt ist – selbst wenn es ihn an den Rand des finanziellen Ruins treibt. Ihm ist es egal, ob andere seine Ideen für verrückt halten, solange er selbst der Meinung ist, dass er das Richtige tut. Ich würde mich gerne mit ihm über das Leben unterhalten und wie er seinen Kurs gehalten hat, obwohl man ihn davon abzubringen versuchte.