{"id":321,"date":"2017-02-27T02:21:39","date_gmt":"2017-02-27T00:21:39","guid":{"rendered":"http:\/\/gj-wiesbaden.de\/?p=321"},"modified":"2017-03-12T12:08:00","modified_gmt":"2017-03-12T10:08:00","slug":"seminar-angegriffene-demokratie-in-frankfurt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gj-wiesbaden.de\/?p=321","title":{"rendered":"Seminar \u201cAngegriffene Demokratie\u201c in Frankfurt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bericht vom Schwerpunktseminar<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-320\" src=\"https:\/\/gj-wiesbaden.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/tmp_32464-FB_IMG_14870108108601286058071-300x167.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"167\" srcset=\"https:\/\/gj-wiesbaden.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/tmp_32464-FB_IMG_14870108108601286058071-300x167.jpg 300w, https:\/\/gj-wiesbaden.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/tmp_32464-FB_IMG_14870108108601286058071-768x428.jpg 768w, https:\/\/gj-wiesbaden.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/tmp_32464-FB_IMG_14870108108601286058071-1024x570.jpg 1024w, https:\/\/gj-wiesbaden.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/tmp_32464-FB_IMG_14870108108601286058071-800x446.jpg 800w, https:\/\/gj-wiesbaden.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/tmp_32464-FB_IMG_14870108108601286058071.jpg 1149w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Vom 10.-12. Februar fand das Schwerpunktseminar der GR\u00dcNEN JUGEND in Frankfurt am Main zum Thema \u201eAngegriffene Demokratie\u201c statt. Insgesamt 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet kamen hier zusammen, um sich \u00fcber die aktuelle Bedrohung der Demokratie zu informieren und m\u00f6gliche Gegenstrategien zu diskutieren. Jael Fleckenstein und Katharina Schuster aus unserem Kreisverband vertraten unsren Kreisverband vor Ort.<br \/>\nAm Freitag Abend startete das Seminar mit einem Gespr\u00e4ch \u00fcber rechte Strukturen und Strategien mit Robert Andreasch (Journalist, Mitgr\u00fcnder des Netzwerks NSU-Watch und Mitarbeiter in der Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle M\u00fcnchen) und unserer Bundessprecherin Jamila Sch\u00e4fer. Ein Schwerpunkt des Gespr\u00e4chs lag in der Auseinandersetzung mit rechter Ideologie. Robert Andreasch nannte die Unterordnung der Individuen unter ein v\u00f6lkisches oder nationales Kollektiv und die irrationale Rechtfertigung von sozialen Hierarchien \u2013 etwa zwischen Geschlechtern oder nationalen Konstrukten \u2013 als Kernelemente eines rechten Weltbilds. Das Streben nach der Realisierung einer wirklichen Gleichberechtigung aller Menschen wird dagegen abgelehnt.<\/p>\n<p>Publikum bei der Diskussion<br \/>\nZudem zitierte Robert Andreasch strategische Zielsetzungen der Neuen Rechten, die aktuell sehr erfolgreich darin sind, Versatzst\u00fccke ihrer Ideologie im gesellschaftlichen Mainstream unterzubringen, indem sie mit nationalistischen \u00c4u\u00dferungen oder rassistischen Vorschl\u00e4gen st\u00e4ndige Tabubr\u00fcche und eine Verschiebung des gesamten politischen Diskurses nach rechts vornehmen. Au\u00dferdem merkte er kritisch an, dass einige demokratische Parteien sich darauf einlassen, den rechten Parteien hinterherzulaufen und somit der Strategie der Rechten in die H\u00e4nde spielen. Das Gespr\u00e4ch ist als Video auf unserer Facebookseite zu finden.<br \/>\nDass auch die AfD ein Sammelbecken f\u00fcr faschistische Ideen ist, wurde auch im zweiten Programmteil aufgegriffen, bei dem wir uns intensiv mit der Dresdner Rede des Th\u00fcringer AfD-Vorsitzenden Bj\u00f6rn H\u00f6cke besch\u00e4ftigten. Zuvor erarbeiteten wir uns gemeinsam mit dem Berliner Historiker Alexandre Froideaux anhand der Auseinandersetzung mit dem NS, dem spanischen und dem italienischen Faschismus Merkmale faschistischer Ideologie und Herrschaft. Danach lasen wir die H\u00f6cke-Rede und diskutierten gemeinsam, welche Passagen faschistische \u00c4u\u00dferungen beinhalteten. Die Rede ist hier im Wortlaut zu finden.<br \/>\nMittags gaben Ricarda Lang und Jamila Sch\u00e4fer aus dem Bundesvorstand einen Workshop zum Thema \u201eArgumentieren gegen rechts\u201c. Dabei ging es nicht nur um praktische Tipps und M\u00f6glichkeiten im Umgang mit rassistischen, chauvinistischen oder anderen menschenverachtenden \u00c4u\u00dferungen im Alltag, sondern auch um die Frage, wie wir mit rechter Hetze im Netz umgehen k\u00f6nnen. Grunds\u00e4tzlich wurde hier nochmal klargestellt, dass Rechte zwar oft Meinungsfreiheit und freien Austausch von politischen Ideen f\u00fcr sich und ihre Hetze einfordern, aber gleichzeitig mit ihren antidemokratischen, ausschlie\u00dfenden und diskriminierenden \u00c4u\u00dferungen die Demokratie inhaltlich angreifen.<\/p>\n<p>Demokratie und Gleichberechtigung zu verteidigen, bedeutet also in der Praxis antidemokratische \u00c4u\u00dferungen nicht unwidersprochen stehen zu lassen.<br \/>\nNachmittags kamen verschiedene Kleingruppen zusammen um Strategien zur St\u00e4rkung und Verbesserung des demokratischen Systems zu diskutieren und zu entwickeln. Eine Gruppe besch\u00e4ftigte sich mit Vorschl\u00e4gen und Forderungen f\u00fcr mehr Jugendpartizipation, insbesondere der Forderung nach einer Jugendquote, eine Gruppe tauschte sich \u00fcber M\u00f6glichkeiten von Digitalisierung im Zusammenhang mit Demokratie aus und evaluierte dabei die Chancen und Risiken des \u201eOpen Data\u201c-Ansatzes und eine Kleingruppe diskutierte den autorit\u00e4ren Umbau der Europ\u00e4ischen Union und M\u00f6glichkeiten emanzipatorischer Kritik an der aktuellen europ\u00e4ischen Politik. Im Anschluss wurde mit allen Teilnehmer*innen diskutiert, ob und inwiefern sich die Konzepte verkn\u00fcpfen lassen und welche M\u00f6glichkeiten sich daraus ergeben.<\/p>\n<p>Am letzten Tag ging es um institutionalisierten Rassismus, also um rassistische Ausgrenzung in gesellschaftlichen Institutionen. Dabei stellten Katharina und Jana von Justizwatch ihre Arbeit vor und erl\u00e4uterten die institutionelle Diskriminierung in der Justiz. Bei der Bearbeitung der mitgebrachten Prozessprotokolle wurde deutlich, durch welche Akteur*innen Diskriminierung in der Justiz besteht und wie sich diese konkret auf die rechtliche und psychische Lage der Diskriminierten auswirkt.<br \/>\nIn der Abschlussdiskussion am Sonntag ging es vor allem darum, wie eine politische Linke auf den Rechtsruck reagieren sollte. So diskutierten wir unterschiedliche M\u00f6glichkeiten f\u00fcr das Ziel, die Normalisierung rechter Ideologie bzw. ihren weiteren Einzug in die Mehrheitsgesellschaft zu verhindern.<\/p>\n<p>Vorgeschlagen wurde in der Diskussion unter anderem:<\/p>\n<p>\u2013 Demokratie nicht als rein formales Prinzip verteidigen, sondern als inhaltliches<\/p>\n<p>-Widerspruch gegen rechte Einstellungen, in privaten Gespr\u00e4chen, aber auch in der \u00d6ffentlichkeit<\/p>\n<p>-Demonstrationen gegen die AfD und andere rechte Gruppierungen, um Normalisierung entgegenzuwirken<br \/>\ndie Rechtsverschiebung des politischen Diskurses nicht mitmachen, indem eigene Inhalte und positive Ver\u00e4nderungsbotschaften nach vorne gestellt werden<\/p>\n<p>-weitere transnationale Vernetzung progressiver B\u00fcndnisse<\/p>\n<p>\u2013 B\u00fcndnisf\u00e4higkeit gegen rechts ausbauen f\u00fcr die Erh\u00f6hung der eigenen St\u00e4rke<\/p>\n<p>-keine Narrative der Rechten \u00fcbernehmen<\/p>\n<p>-Gesellschaftlich tief sitzende Diskriminierung(-sformen) sichtbar machen<\/p>\n<p>-Institutionalisierte Diskriminierung erkennen und ihr durch \u00d6ffentlichkeit und rechtliche \u00c4nderungen entgegen wirken<\/p>\n<p>-Europa als soziales Projekt und nicht als Europa der gegeneinander operierenden Nationalstaaten verteidigen<br \/>\nh\u00f6rbare und differenzierte Kritik an den aktuellen Zust\u00e4nden \u00fcben<\/p>\n<p>-Label der alternativen Politik nicht allein den Rechten \u00fcberlassen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht vom Schwerpunktseminar Vom 10.-12. 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